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IPSO ist eine gemeinnützige humanitäre Organisation, die ich 2008 gegründet habe, nachdem ich vier Jahre lang im humanitären Bereich gearbeitet hatte. Dabei wurde mir die Notwendigkeit bewusst, den psychosozialen Bereich in der humanitären Arbeit zu stärken und hochwertige psychosoziale und mentale Gesundheitsversorgung durch eine Organisation anzubieten, die sich darauf spezialisiert und Dienstleistungen, Schulungen und Konzepte auf hohem Niveau liefern kann. Genau das tun wir:

Wir konzentrieren uns auf psychosoziale Unterstützung und mentale Gesundheit, oft abgekürzt als MHPSS (Mental Health and Psychosocial Support), sowie auf den Dialog zwischen Kulturen und Gemeinschaften, der Frieden fördert und Menschen einander näherbringt. Wir entwickeln Programme für mentale Gesundheit und Gemeinschaftsfürsorge, die auf Dauer angelegt sind, und begleiten sie durch Forschung, Monitoring und Evaluation, während sie vor Ort Gestalt annehmen.

Aus der großen Notwendigkeit einer skalierbaren, persönlichen psychosozialen und mentalen Gesundheitsunterstützung für Menschen mit einer hohen psychischen Belastung, wie ich sie 2004 in Afghanistan erlebt habe, entstand VBC® (Value Based Counseling) aus meiner Arbeit mit Menschen in Not. VBC® ist ein Ansatz, der bei den Menschen selbst ansetzt, bei ihren Werten und ihrer Fähigkeit, auch unter schwierigsten Umständen wieder Orientierung zu finden.

VBC® passt sich unterschiedlichen Realitäten und soziokulturellen Zusammenhängen an und hält dabei an seiner Kernstruktur und Grundidee fest: jeden Menschen darin zu stärken, wieder Handlungsfähigkeit zu gewinnen. Als kultursensibler Ansatz hat sich VBC® im Nahen Osten, in Zentralasien, in Europa und der Ukraine, in Haiti, China und Deutschland bewährt, wo wir eine psychosoziale Versorgung für Geflüchtete aufgebaut haben.

Uns war es außerdem wichtig, Gemeinschaften zu stärken, denn wir haben erkannt, wie bedeutsam ein gut funktionierendes soziales Umfeld und eine stabile persönliche, soziale und kulturelle Identität für das psychosoziale Wohlbefinden sind. Deshalb haben wir unsere Programme Sociocultural Container (SCC) und Community Caregiver (CCG) entwickelt, die die individuelle Beratung mit dem Alltag in der Gemeinschaft verbinden.

Zwei Jahrzehnte Arbeit an vielen unterschiedlichen Orten haben uns eines gelehrt: Eine Gesellschaft kann nur dann stärker werden, wenn die Menschen in ihr selbst inneren Frieden gefunden haben. Deshalb verstehen wir mentale Gesundheit und psychosoziale Unterstützung, ebenso wie jedes Programm in unserer Pyramide, als Grundlage für Frieden und Versöhnung.

Unsere Wirkung beginnt beim einzelnen Menschen und reicht von dort aus in die Familie, in die Gemeinschaft und in die gesamte Gesellschaft hinein.

Unsere Angebote erreichen Menschen dort, wo sie sind: über unsere Online-Plattformen (https://ipso-care.com/, https://ipso-freetalk.com/) ebenso wie persönlich vor Ort. Unsere Schulungen in VBC®, in gemeindebasierter psychischer Gesundheitsversorgung, in Staff Care und Psychologischer Erster Hilfe bieten wir regelmäßig und auf Anfrage an, für Menschen ebenso wie für Organisationen.

Unsere VBC® Methode

Value Based Counseling (VBC®), also kultursensible psychosoziale Beratung, ist eine kurzzeitige psychodynamische Intervention mit einem salutogenetischen Ansatz. Sie zielt darauf ab, das Kohärenzgefühl und die Selbstwirksamkeit von Menschen in einem nicht-direktiven, aber sorgfältig strukturierten Gespräch zu stärken.

VBC® richtet sich an Jugendliche und Erwachsene. VBC® geht von der Idee aus, dass Menschen von dem inneren Bedürfnis geleitet werden, ein sinnerfülltes Leben zu führen. Was wir als sinnvoll empfinden, hängt von unseren persönlichen Werten ab, weshalb wir den Begriff „Value Based Counseling“ verwenden.

Persönliche Werte sind meist mit familiären und gesellschaftlichen Werten verbunden, mit denen Menschen aufgewachsen sind. Unterschiedliche Kulturen haben unterschiedliche Wertesysteme, und Generationenkonflikte zeigen, dass sich diese Wertesysteme verändern können. Besonders deutlich wird das bei den unterschiedlichen Wertesystemen von Gesellschaften, die als individualistisch oder kollektivistisch geprägt gelten. VBC lässt sich überall anwenden, denn die Beratung findet stets zwischen Menschen mit ähnlichem kulturellem Hintergrund statt, folgt dem Prinzip „Do no harm“ und schreibt keine Werte vor, außer dem Ethikkodex unserer IPSO-Berater:innen.

VBC® vermeidet es, klinische Symptome zu pathologisieren, die auf intrapsychischen oder zwischenmenschlichen Konflikten, traumatischen Erfahrungen, einem belastenden sozialen Umfeld oder schwierigen Lebensübergängen wie Migration oder dem Verlust der Existenzgrundlage beruhen. Unser Beratungsansatz versucht stattdessen, diese Symptome als Ausdruck von ungelöstem sozialem Stress zu verstehen. VBC® geht davon aus, dass sich der Handlungsspielraum einer Person für Veränderung erweitert, sobald sie sich ihrer Situation und der damit verbundenen Werthierarchie bewusst wird, sowohl der eigenen als auch der anderer Menschen, sowie der Gefühle, die dadurch ausgelöst werden. Das Potenzial einer Person zur Selbstentwicklung und ihr Bestreben, dieses Potenzial zu nutzen, bilden die Grundlage für die Förderung menschlicher Selbstheilung.

Der Erfolg von VBC® beruht maßgeblich darauf, dass unsere Berater:innen eine gleichberechtigte Beziehung zu den Menschen aufbauen, die sich ihnen anvertrauen. Das erfordert die Fähigkeit, diesen Menschen unvoreingenommen zu begegnen, sowie Perspektivübernahme und Empathie. In einem interkulturellen Setting kann das eine Herausforderung sein, da fehlende eigene Erfahrung durch eine größere Offenheit für kulturelle Unterschiede ausgeglichen werden müsste, was in der Regel nur begrenzt möglich ist.

VBC® verfolgt einen intrakulturellen Ansatz. Das bedeutet, dass die psychosozialen Berater:innen die Muttersprache der Menschen sprechen, die Unterstützung suchen, und denselben kulturellen Hintergrund haben. Dieser Ansatz vermeidet verschiedene Probleme, die mit interkultureller Beratung einhergehen können, etwa den indirekten Kontakt zu den Hilfesuchenden, wie er durch speziell geschulte Dolmetscher:innen entstehen würde.

Kommen die Hilfesuchenden aus einer Kultur, die durch klar festgelegte Geschlechterrollen und eine Geschlechtertrennung in vielen Lebensbereichen geprägt ist, ist es wichtig, dass auch die Berater:innen dasselbe soziale Geschlecht haben wie sie. Da sich die Lebensrealitäten von Frauen und Männern in solchen Kontexten oft erheblich unterscheiden, würde die Kommunikation zwischen ihnen durch unausweichliche Tabubrüche erschwert. Deshalb arbeitet VBC® mit einem Zuordnungssystem, bei dem Frauen von Beraterinnen und Männer von Beratern begleitet werden.

Diese Prinzipien sorgen dafür, dass Berater:innen schnell eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung zu den Hilfesuchenden aufbauen können, die tiefgehende persönliche Gespräche bereits ab der ersten Sitzung ermöglicht. Studien zeigen, dass sich dadurch im Durchschnitt innerhalb von drei bis fünf Sitzungen positive Veränderungen im Leben dieser Menschen erreichen lassen, etwa die Studie „Promoting the resilience of refugees/migrants – Effectiveness study into the use of mother-tongue counselors“, die von 2017 bis 2020 gemeinsam mit der Charité durchgeführt wurde (siehe Publikationsliste unten).

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